Was sucht der Apfel in der Bibel?

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Um es kurz zu sagen: nichts.

In der gesamten Bibel ist nur zweimal vom Apfel die Rede: Einmal im Hohelied.
Hl 7,9 Ich sprach: Ich will auf den Palmbaum steigen und seine Zweige ergreifen. Lass deine Brüste sein wie Trauben am Weinstock und den Duft deines Atems wie Äpfel. Ein Liebeslied aus der Zeit der Hirten und Salomons.

Und einmal bei den Sprüchen “Ein Wort, geredet zu rechter Zeit, ist wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen”.

Das war’s. Nix mit Apfel im Mund der Schlange und dass Eva, Adam den angebissenen Apfel gab. Kein Wort.

Und da war noch die Geschichte, dass die heutigen Kugeln am Weihnachtsbaum früher Äpfel gewesen sein sollen. Aber woher kommt diese angebliche Apfelgeschichte, die jeder kennt?

Aber vielleicht zuerst: warum ich danach überhaupt gesucht habe. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass ein banaler Obstklau, eine Jahrtausende dauernde Erbsünde zur Folge haben sollte. So streng waren die Gesetze damals auch wieder nicht.

Der Grund warum der Apfel (wohl nachträglich) in die Bibel kam, war wohl ein Übersetzungsfehler. Im Paradies wuchs kein Apfelbaum, sondern der Baum der Erkenntnis und in der Bibel wird nur von einer “Frucht” gesprochen. Dass es sich dabei um Äpfel handeln soll, geht wohl auf ein lateinisches Wortspiel zurück. “Malum” kann zweierlei heißen: Mit kurzem “a” das Böse, mit langem Vokal “Apfel”.

Soweit, so gut. Adam und Eva haben also vom “Bösen” und nicht vom Apfel gekostet. Aber was war dieses “Böse”? Gott hatte angedroht, dass die zwei Helden elendigst stürben, kosteten sie von dieser “Frucht”. Nicht weiter erläutert.

Doch der Teufel hatte die besseren Argumente. “Belogen hat er euch. Nicht sterben, sondern gottesgleich werdet Ihr.” Womit der Teufel in Schlangengestalt auch Recht behielt. Nicht gestorben sind unsere Helden, sondern sie erkannten, dass sie sterben würden. Diese Schlüsselerkenntnis hat aus Tieren Menschen gemacht. Denn Tiere sind glücklich, weil sie vom nahenden Tod nicht wissen. Weder im normalen Leben, noch als der Mensch mit erhobenem Messer sich nähert. Vertrauensvoll nähert sich das Schaf, um den Todesstoß vom angeblichen Freund zu erhalten.

Durch den Genuss der “Frucht” gelangte der Mensch also zur Kenntnis der Zeit. Von seiner Vergangenheit, einer Zukunft und seinem nahende Tod.

Nietzsche beschreibt das in seiner Herde so:
Menschliche Erkenntnis ist stets auch Erkenntnis der Zeitlichkeit. Wüsste der Mensch nur von der Gegenwart, dann wüsste er nichts von einem Beginn, von einem Ende. Dann erschiene ihm – gleich einem nicht erinnernden Kleinkind oder Tier – „seine“ Gegenwart als dauerhaft; also mitunter als „Unendlichkeit“. Vielleicht geht
auch dem Tier im Augenblick der Gefahr kurz seine Endlichkeit auf; vielleicht könnte es genau in diesem Augenblick unsere Frage nach seinem Wesen beantworten – doch dann vergaß es aber auch schon diese Antwort und schwieg: So dass der Mensch sich darob verwunderte.

Doch was ist gut und was ist böse? Kann Adam und Eva ein Vorwurf gemacht werden, sie hätten “böse” gehandelt, wenn sie sich des Wesens ihrer Untat nicht bewusst waren (Der Spruch “Unwissenheit schützt von Strafe nicht”, ist sehr viel später erfunden worden).

Und schlussendlich, wollte Gott wirklich nicht, dass der Mensch zur Erkenntnis gelangt, dass seine Zeit befristet ist? Wollte Gott wirklich, dass der Mensch, dem Tier gleich, ausschließlich nur im Hier und Jetzt lebt, dem Tier gleich?

Und meine letzte Frage, war diese vermeintliche Untat so “böse”, dass sie eine Jahrtausende währende Erbsünde nach sich ziehen musste?

Und die Allerletzte Frage: Als Gott sich das anders überlegt, hätte er nicht einfach sagen können: “Ach vergiss es. Wir sind wieder Freunde”, oder so? Musste er wirklich seinen “Sohn”, gemartert ans Kreuz sterben lassen? Als Diktator geht das ganz einfach und als Gott nicht? Das hätte zumindest sehr vielen Hunderten Millionen Menschen das Leben gerettet.

Aber woher sollte Gott das wissen?

Liebe Grüße

Kostas Thomopoulos

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