Was ist los in Deutschland?

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Am Tage des Herrn den Sechsundzwanzigsten März, im Jahre des Herrn 2019 habe ich in diesem deutschen Lande etwas erlebt, was ich unbedingt für zukünftige Generationen schriftlich festhalten muss. Ihr wisst ja, das Internet vergisst niemals irgendetwas.

Diesen Blockeintrag zu schreiben ist kein Drang, sondern ein Zwang. Ich muss es auf diese Art verarbeiten, damit es mich nicht weiter belastet. Auf welche Weise auch immer.

Ich lebe seit achtundvierzig Jahren in diesem Land und erlebe eine zunehmende Verrohung der Umgangsformen. Ich möchte im Anhang zwei Erlebnisse von heute Morgen darlegen.

Stadtgraben Andernach
Stadtgraben Andernach

A) Der “Ich-habe-ein-Recht-auf-mein-eigenes-Bild”-Mann.

Ich gehe also wie so oft durch Andernach und fotografiere. Das ist mein Hobby, das ich irgendwann zum Nebenerwerb machen will, wenn ich gut genug bin. In einigen Jahren also.
Auf einmal höre ich eine Stimme:
“Hey, was machst du da?”
Ich nehme also die Kamera vom Auge und schaue mich um, ob ich damit gemeint sein könnte. Da steht ein Mann mittleren Alters vor mir.
“Du hast mich fotografiert. Ich habe ein Recht auf mein eigenes Bild. Ich will sofort sehen, welche Bilder du gemacht hast!”
Dabei schubst er mich energisch gegen die Brust.

Glücklicherweise ist auf der anderen Straßenseite die Polizei. Also schlage ich ihm vor gemeinsam der Polizei einen Besuch abzustatten. Der Vorschlag scheint ihm offenbar nicht zu gefallen und er schubst noch aggressiver. Mir kommt der Gedanke, ihm die schwere Kamera, die ich in meinen Händen halte, mit seiner harten leeren Birne Bekanntschaft machen zu lassen, verwerfe den Plan aber sofort wieder, weil das Preis-Leistungsverhältnis total schlecht ist.

In diesen Moment mischen sich ein Mann und eine Frau ein.
“Hey, was machen Sie da. Lassen Sie den Mann in Ruhe”
“Er hat mich fotografiert”
“Nein, er hat hier allgemein fotografiert. Lassen Sie ihn sofort los!”
Gegenüber der Polizei von drei Gegnern bedroht, ergreift der um sein “Recht-auf-das-eigene-Bild” besorgte Bürger die Flucht.
Ich bedanke mich bei meinen Rettern und gehe weiter meiner Wege.

B) Der rabiate Autofahrer!

Zehn Minuten später, während ich den Bürgersteig entlang gehe, werde ich an einer Einfahrt zu einem Parkplatz beinah angefahren. Nur eine Vollbremsung rettet mich vor dem sicheren Tod unter die Kühlerhaube eines alten Nissan. Als ich die quietschenden Reifen höre, drehe ich mich um und schaue den Autofahrer an.
Ganz ehrlich: Ich hatte erwartet, dass er sich irgendwie entschuldigt. Immerhin hätte er mich auf dem Bürgersteig beinah überfahren. Es ist schließlich ein Bürgersteig und kein Autosteig.
Stattdessen sehe ich wie er hinter der Frontscheibe rot anläuft und auf mich schimpft. Verwundert trete ich zur Seite und lasse ihn fahren.
Fünfzig Meter weiter parkt er. Ich laufe zu ihm hin.
“Hey, was soll das? Du hättest mich beinah überfahren!”
Wütend schaut er mich an.
“Dann musst du besser aufpassen, wie du läufst”
Ich schaue ihn verwundert an. Ob was falsch an mir ist.
“Wie laufe ich denn falsch?”
“Gerade musst du laufen und nicht schräg und wir sind nicht per “Du””

Ich will mich nicht in so kurzer Zeit mit einem zweiten Idioten anlegen.

c) Woran kann das liegen?

Diese Aggressivität kenne ich wirklich nicht.
Ich meine, nicht jeder mit einem Fotoapparat in den Händen ist automatisch ein Schwerverbrecher, der es darauf angelegt hat unschuldige, “Ich-habe-ein-Recht-auf-mein-Eigenes-Bild” Menschen zu fotografieren und deswegen verprügelt werden muss.
Und Autofahrer, die einen beinah tot fahren und sich dann beschweren, man würde falsch auf dem Bürgersteig laufen, sind auch neu für mich.

Hat jemand eine Idee?

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