Sie sollen kommen, ja, aber bitte einzeln eintreten

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In der Krise zeigt sich der Charakter eines Volkes und in einer Krise ist das Leben auf dem Land, außerhalb von Städten eindeutig besser.

Und nicht, dass ich missverstanden werde. Wir leben in einer Krise. Einer lebensbedrohlichen Krise. Und in einer Krise ist es nur natürlich, dass sich Gruppen bilden. Wir gegen die. Ich verstehe das.

Andernach ist eine Stadt mit etwa 35.000 Einwohnern und liegt zwischen Rhein und Eifel. Eine sehr schöne Lage, die geradezu einlädt die Sehenswürdigkeiten touristisch auszunutzen. Mit sehr vielen Kosten und Aufwand wurde das Geysir-Zentrum erbaut, um den größten Kaltwasser-Geysir Europas in die Urlaubsplanung möglichst vieler Menschen einzubinden. Im Rahmen der touristischen Erschließung der Voreifel, wurden auch Wanderwege angelegt, die sehr gerne benutzt werden. Einer dieser Wanderwege ist der “Traumpfad Höhlen- und Schluchtensteig Kell”, gelegen an der K57. In der Nähe des Andernacher Stadtteiles Kell. Früher ein kleines Eifeldorf, mit jetzt etwa 1.000 Einwohnern, das im Zuge der Eingemeindung Stadtteil von Andernach geworden ist. Das Wandern ist gut für die Stärkung des Immunsystems und da die Menschen im Moment, aufgrund der Corona-Krise, sehr viel Zeit haben und die Stärkung des Immunsystems das einzige bekannte Mittel gegen das Coronavirus ist, gehen sie wandern. Wer will ihnen das verdenken? Leider gibt es im Wanderer-Leben kein Mittelding. Entweder kommen sie alle oder keiner. Insbesondere dann, wenn wie am vergangenen Wochenende das Wetter so traumhaft schön ist. Da wir eine Kontakt- und keine Ausgangssperre haben, dürfen problemlos bis zu zwei Personen überall hinfahren und auf jeden Traumpfad wandern, den sie bewandern wollen. Solange sie einen Abstand von 1,5 Meter zum nächsten einhalten. Aber das genau wird angezweifelt. In der Enge des Wanderweges sei es nicht möglich den Mindestabstand einzuhalten, wenn Heerscharen von Wanderern, wie die Heuschrecken auf einmal einfallen. Die Aufregung in den sozialen Medien wächst ins unermessliche. Alle regen sich über die unvernünftigen Städter auf, die unsere Stadt mit ihren Viren verseuchen wollen. Einige Posts (Auszüge):

· Von “high way to hell” wird gepostet. “In the near of Kell”. Zum Beweis wird ein Video eines überfüllten Parkplatzes gezeigt.

· “Warum setzen diese Menschen unser aller Leben aufs Spiel” ?? Unglaublich.

· Die Wanderer sind “Ignoranten” und “Vollpfosten” schreiben andere

· “Da müsste doch was geschehen !!! Wo ist denn das Ordnungsamt???” Der Ruf nach der Ordnungsmacht und man beachte die drei Ausrufezeichen

· Natürlich wird auch das Totschlagargument der “zugeparkten Rettungswege” angeführt. Das zieht in Deutschland immer

· Mit “Bleibt zu Hause, sonst kommt die Ausgangssperre”, wird sogar verdeckt eine Drohung ausgesprochen

· Die sollen zu Hause in ihren verseuchten Städten bleiben, fordert ein anderer besorgter Andernacher Bürger

Die Volksseele kocht hoch. Besorgte Bürger laufen auf Hochtouren, wenn es um die Erfindung von Gründen geht, sich gegen die einwandernden Heerscharen der Großstädter-Heuschrecken zu schützen. Das erinnert an Kriegszeiten, als die Großstädter versuchten auf dem Land etwas Essbares zu kaufen. Das erinnert auch an 2015, „als Legionen von Flüchtlingen in unser wundervolles Land eingefallen sind“. Der Tourismus, im Moment die einzig mögliche Einnahmequelle der Stadt, wird jetzt auch heruntergefahren. Nicht die Wanderwege, sondern die Parkplätze werden geschlossen, was beim “Traumpfad Höhlen- und Schluchtensteig Kell” eine Schließung bedeutet, da er an der K57 liegt.   Stattdessen schlage ich folgendes vor:

· Verlangt Eintritt. Das machen alle. Wenn Eintritt nicht möglich ist, dann Parkgebühren

· Setzt einen Parkwächter ein, der die Parkgebühren kassiert und bei Überfüllung die Touristen abweist

· Stellt ein Schild auf, das an den Mindestabstand erinnert und auf Strafen bei Zuwiderhandlungen hinweist

Liebe Grüße Kostas Thomopoulos
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