Orthodoxie

Teilen:

Der orthodoxe Glaube ist in Griechenland tief verwurzelt. Sehr tief. Es mag daran liegen, dass der orthodoxe Glaube in der Griechischen Verfassung verankert ist, es kann daran liegen dass während der Zeit der türkischen Herrschaft (ca. 1300 bis 1900), der orthodoxe Glaube der Rückhalt des Griechischen Volkes gewesen ist, es kann aber auch daran liegen, dass der orthodoxe Glaube keinen Protestantismus erlebt hat, um den Zweifel an den letzt-endgültigen Urteil der Kleriker-Klasse zu hinterfragen.

Meine Großmutter glaubte auch und ging jeden Sonntag in der Kirche, obwohl sie genau wusste, dass der Pope nicht nur eine, sondern mehrere Affären im Dorf hatte. Ohne Probleme konnte sie das menschliche vom heiligen unterscheiden und akzeptieren.

Und das war so: Bei jeder Diskussion über den Glauben (und besonders den christlichen) tauchten zwei Begriffe immer wieder auf:

a) Demut
b) Glaube und hinterfrage nicht
Oft wird auch “Glauben heißt nicht wissen” oder “Der Glaube wird nicht entdeckt, sonder aufgedeckt”, verwendet.
uuuuuund
c) Sklave, im Deutschen: Diener, hat aber die selbe Bedeutung, da eine “Kündigung” oder Glaubenswechsel ohne das ewige Fegefeuer nicht möglich ist.

Für die Katastrophen der Welt, wird der “Freie Wille” des Menschen herangezogen. Wenn wir gesund werden, dann lag es an den vier Kerzen, die wir anlässlich des einen oder anderen Heiligen, in dieser oder in jener Kirche angezündet haben. Wagt es ein Patient trotz der tausend angezündeten Kerzen zu sterben, dann ist es immer der Stümper von einem Arzt, oder vielleicht die Gesundheitspolitik der derzeitigen Regierung schuld, oder vielleicht der Fluch einer Zigeunerin, die letztens durch das Dorf gezogen ist und offensichtlich unzufrieden mit den Gaben der Bewohner war. Dann heißt es einfach:

Fluch der Zigeunerin: 1
Angezündete Kerzen: 0

Der Weg des Glaubens ist keine Autobahn, sondern viele kleine, gefährliche und komplizierte Pfade durch den Jahrmillionen alten Wald unseres Glaubens, oder eben auch Aberglaubens.

Vielleicht eine kleine Geschichte um den Glauben der Orthodoxie zu verdeutlichen:

Der Patriarch von Veria

Ich gehe aus dem Haus. Es regnet leicht. Ich wende mich nach rechts, den leicht abschüssigen Weg und dränge mich an die Hauswände, damit ich nicht zu viel Regen abkriege. Einige Häuser weiter, an einer Baustelle, wartet ein Arbeiter unter einem Vordach, bis der Regen aufhört, damit er weiter arbeiten kann.
Ich: Es regnet
Er: Gottes Wille
Ich erstaunt: Meinst du Gott ist es nicht egal, ob es hier jetzt gerade regnet oder nicht?
Er: Selbstverständlich ist es Gott nicht egal. Sonst würde es nicht regnen
Ich verschwinde ganz schnell.

Die Orthodoxen glauben wirklich, dass der eine oder andere Heilige ihnen zuhört, wenn sie beten und er dann sofort Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um den Wunsch des frommen Beters, Wirklichkeit werden zu lassen. Ja, wenn alles andere nicht hilft, besorgen sie sich einen Termin bei Gott persönlich, um ihm diesen Wunsch mitzuteilen und seine Hilfe zu erbitten. Kein Witz. So wurde es mir mehrfach berichtet.

Und die Ikonen spielen bei der Orthodoxie eine ganz besondere Rolle. Aber davon mehr in einem anderen Beitrag.

Auf dem Bild weiter unten ist deutlich auf der Titelseite einer Zeitung “Mutter Gottes rettet Kloster vor Feuer-Tier” zu lesen. Dazu muss man sagen, dass das eine kirchliche Zeitung ist und dass dieses Geschäft direkt neben einer Kirche stand.
Und das war so:

“Mutter Gottes rettet Kloster vor Feuer-Tier”

Dieses Jahr gab es im Sommer zu viele Feuer. Eigentlich gibt es jeden Sommer zu viele Feuer. Auf jeden Fall fraß sich dieses eine Feuer durch das Unterholz in Richtung des Klosters. Und es war ganz sicher, dass das Kloster dem Feuer-Tier zum Opfer fallen würde. Ein böses Tier, das vom Teufel persönlich geritten wird. Um zu zerstören und die Gläubigen zu vernichten. Wundersamer Weise war es jedoch der fünfzehnte August. Und das ist wie jeder christlich Gläubige auf der Welt weiß der Feiertag der Jungfrau Maria. Und daher war sie es bestimmt, die genau um Mitternacht den Regen herbei rief. Dieser Regen machte es möglich das Feuer in den Griff zu bekommen und die Klosterkatastrophe abzuwenden.

Ist in Deutschand übrigens nicht sehr viel anders

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Für alle die es nicht wissen: Gebenedeit ist die germanisierte Form von Benedictus = gesegnet. Gebenedeit unter den Frauen hört sich einfach viel cooler an, als gesegnet unter den Frauen.

Übrigens habe ich nochmal nachgeschaut. Die katholische Kirsche behauptet steif und fest (ok, nur fest) … (ok), nachdrücklich, dass Maria und Ihr Mann niemals miteinander Sex hatten. Vorher nicht und hinterher auch nicht. Die Erwähnung von Geschwistern an mehreren Stellen in der Bibel und die Bezeichnung von Jesus als “Erstgeborener”, wäre nicht so gemeint, sondern ganz anders. Irgendwie anders.

Ich weiß nicht warum die alten Männer so viel Wert auf die Aeiparthenos (griechisch für „immerwährende Jungfrau“) wert legen. Wirklich nicht. Sie machen aber alle möglichen unglaubwürdigen Behauptungen, um die arme Frau als Jungfrau und den armen Man auch als Jungfrau stehen zu lassen. Was solls?

Liebe Grüße
Kostas Thomopoulos

Prev Balkon-Delivery
Next Maria Ikone

Leave a comment

+ 73 = 81