Frau Rackete und ihre Flüchtlinge

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Im Juni 2019 beförderte Kapitänin Rackete mit ihrer Sea Watch 3, vierzig Flüchtlinge nach Lampedusa, Italien. Trotz Verbot. Daraufhin wurde sie von der italienischen Polizei unter Hausarrest gestellt.

Ich mag keine Meinung äußern, ob das falsch oder richtig war. Frau Rackete sieht sich selber wohl als Menschenretterin und die sogenannten “Gutmenschen” stilisieren sie hoch zu einer Heldin. Die italienische Polizei hingegen behauptet, dass sie Taxi-Dienste für Wirtschaftsflüchtlinge übernimmt. Beide haben wohl irgendwie Recht, und sind gleichzeitig gefangen in einem Netz von Umständen. Diese Umstände, oder Europäische Gesetze, sind einfach verworren und sinnlos.

Natürlich hat Frau Rackete mit ihrer Organisation Sea Watch Recht. Man kann diese Menschen nicht im Meer ertrinken lassen. Das ist mit keiner menschlichen Moral und Vorstellung von Ehre und Anstand vereinbar. Dabei spielt die Hautfarbe genau so wenig eine Rolle, oder ob man an einen Gott glaubt oder nicht.

Will man das Netz, in dem sich Frau Rackete befindet aufknüpfen, muss man etwas in der Zeitachse zurückgehen. Zur Nachkriegs-Zeit, als die Juden verzweifelt nach einem Land suchten, in welches sie vor der Nazi-Diktatur fliehen konnten. Dieses Deutsche Drama ist nunmehr Bestandteil der Europäischen Politik Geworden; Segen und Fluch zugleich. Ein Keil im Herzen Europas, das die Menschen verurteilt ein bestimmtes Lager aufzusuchen: Das Lager der naiven „Gutmenschen“ oder das Lager der schwachsinnigen Nazis.

Nach dem Krieg also, als Deutschland ihre Art von parlamentarischer Demokratie aufbaute, haben die in der Nazi-Zeit Verfolgten und Geflüchteten beschlossen, zukünftig politisch Verfolgten Schutz zu bieten und zu gewähren. Und zwar als Gäste auf Zeit.

Das ist an sich ein sehr schöner, ja löblicher Gedanke und besagt: Wenn noch einmal ein Hitler in dieser Welt seine Auftritt hat, werden die Deutschen der Zukunft, den Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen und diese Menschen wie selbstverständlich aufnehmen. Wer könnte etwas dagegen haben?

Es ist erstaunlich mit welcher Brutalität die Wirklichkeit, die allerbesten Vorsätze zertrümmert. Und die Wirklichkeit sieht so aus, dass nach siebzig Jahren, keine intellektuellen, politisch Verfolgten die Flucht ergreifen, sondern arme Menschen, die eine bessere Zukunft suchen: Arbeit, Bildung für Ihre Kinder, Gesundheit. Ein einfaches und gutes Leben. Dieses einfache und gute Leben ist in ihrer Heimat nicht möglich. Aus tausend Gründen, hauptsächlich jedoch weil ihre Heimat von der Gier des kapitalistischen Westens ausgebeutet wird.

Also machen sich diese Leute auf dem Weg, um in einem anderen fremden Land, das Glück zu suchen, das sie in ihrer Heimat nicht finden können. Sie wollen arbeiten, ihre Familie ernähren; Und was erwartet Europa: politische Flüchtlinge.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 16a

  • Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.

Nun, im weitesten Sinne, ist jeder, der sich auf einem langwierigen und gefährlichen Weg macht ein Opfer der Politik. Wenn die Politik in seinem Land besser wäre, dann bräuchte er sich nicht auf diesen zumeist lebensgefährlichen Weg zu machen.

Zurück zu Frau Rackete. Sie ist in einer Zeit aufgewachsen, in der die Paar wenige, die in der Nazi-Zeit gegen Hitler waren, als Helden verehrt worden sind. Gegen das Unrecht sein, macht dich also zum Helden. Und Frau Rackete ist gegen das Unrecht. Gegen das Unrecht keine Arbeit, keine Bildung und keine ärztliche Versorgung zu haben, während der Westen im Überfluss schwelgt. Durch das Internet ist dieses Unrecht klar für jeden ersichtlich. Jederzeit. Und wenn ich ein Problem habe, versuche ich das zu lösen. Also, auf geht’s in Richtung Westen….

Sie gehen also los und geraten in ein Netz von Interessen. Möchte-Gern-Politiker, Militärs, Banden-Chefs, Betrüger und Schleuser. Und diese Schleuser lernen schnell.

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Diese Schleuser nehmen ein altes, vergammeltes Boot, schleppen es einige Kilometer vor die Küste, rufen Frau Rackete an, und teilen ihr den Standort mit. Das “Spiel” geht los. Frau Rackete schmeißt den Motor an, fährt so schnell sie kann hin, rettet die armen Flüchtlinge und bringt sie nach Europa.

Bis jetzt ist alles in bester Ordnung. In Europa werden Arbeitskräfte gesucht und da sind viele Menschen die arbeiten wollen. Es werden junge Männer für den Bau, als LKW- und Taxifahrer gesucht, Frauen für Reinigung und Altenpflege. Wo ist also das Problem? Warum sind nicht alle glücklich und zufrieden?

Das Problem ist der Artikel 16a des deutschen Grundgesetzes, das jetzt als Damoklesschwert über ganz Europa hängt. Die Leute dürfen nicht einfach arbeiten. Sie müssen sich erst mal als Flüchtlinge registrieren,  müssen Asyl beantragen, schreckliche Geschichten erzählen, sich anpassen. Deutsch lernen. Einfach arbeiten? Nein, niemals, bzw. erst nach längerer Wartezeit.

Jetzt stellen Sie sich vor, Sie sind ein junger Mann, so um die dreißig. Sie nehmen den ganzen weiten, teuren  und lebensgefährlichen Weg auf sich, damit Sie am Ende ein besseres Leben haben. Und was finden Sie? Arrogante Beamte, die eine Sprache sprechen, die sie nicht verstehen, sich für etwas besseres halten, die Ihnen vorschreiben was Sie tun und lassen sollen und Ihnen erst einmal verbieten zu arbeiten. Stattdessen bekommen Sie einen Platz zum Schlafen und ein Taschengeld. Die meisten sind auch irgendwie nett und freundlich und sie bemühen sich, aber es ist nicht das was Sie wollen. Sie wollen arbeiten, Geld verdienen, Ihre Familie aus der Heimat nachholen. Das was jeder will.

Da sind Sie nun, am Ende Ihrer Wünsche. So viele Menschen, alles neu, alles so laut. Und Sie fühlen sich total unwohl. Jeder erzählt Ihnen etwas anderes. Manche Frauen bieten Ihnen sogar Sex an, um Ihnen zu zeigen, dass sie nichts gegen Sie haben. Aufopferung? Der Kampf gegen das Böse mit anderen Mitteln? Keine Ahnung.

Und Sie können das alles nicht verstehen. Überall werden doch Leute zum Arbeiten gesucht. Mit Ihrem wenigen Deutsch, das Sie schon sprechen, können Sie das lesen. Jedoch, Sie dürfen nicht.

Es existieren sogar Parteien in der Regierung, die gegen Sie sind. Und es gibt Menschen, die in ihrem Leben noch nie gearbeitet haben, sich aber beschweren, dass die Ausländer ihnen die Arbeit wegnehmen. Alles sehr merkwürdig hier.

Warum kann die Welt nicht einfacher sein? Früher gab‘s das doch auch. Möglicher Lösungsansatz: Die Firmen suchen Leute, Du bewirbst Dich in Deiner Heimat. Sie (das Einreiseland, oder auch die Arbeitgeber?) kaufen Dir ein Ticket für das Flugzeug und geben Dir eine Wohnung. Du kommst mit dem Flugzeug, arbeitest, schickst Geld in die Heimat und wenn Du genug gespart und eine größere Wohnung hast, dann kommt die Familie nach. Warum muss das alles so kompliziert sein?

Ich will verdammt nochmal euer Asyl nicht. Ich will arbeiten.

Aber wir haben wieder ein wenig unsere Frau Rackete aus den Augen verloren. Sie hat nun die 42 Leute aus dem Boot, in diese italienische Stadt gebracht, wo sie keiner haben will. Doch woher hat die Frau Rackete denn das Geld für das Boot, mit dem sie die Leute aus Seenot retten kann? Ist ja nicht billig so etwas. Warum bringt Frau Rackete die Leute nicht zurück nach Afrika, zum nächstgelegensten sicheren Hafen, nachdem sie sie gerettet hat?  Warum nach Italien, nach Europa?

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