Falsche Erinnerungen

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In Wirklichkeit bestehen wir nur aus falschen Erinnerungen

Viele fragen, was ich damit meine. Die Sätze wären zu kurz und sie könnten
sich keinen Reim daraus machen. Hier die Erklärung, für alle, die Wert darauf
legen zu verstehen. Für alle anderen bitte hier: https://www.google.com/

Wir alle sind die Summe unserer Erfahrungen. Unsere Erlebnisse haben uns
geformt. Erfahrungen sind Erinnerungen, die sich tief in die Graue Masse
unseres Gehirns eingegraben haben. So tief, dass sie als Erfahrungen nicht mehr
erkennbar sind. Sie sind Teil von uns selbst geworden. Teil unseres Charakters.
Im dunklen Keller unserer Erinnerungen hausen sie, unsichtbar. Hin und wieder
ein Grollen. Wir mögen sie eingeschlossen, den Schlüssel weggeworfen, sie
vergessen und verdrängt, aber sie sind immer noch da und beherrschen uns immer noch.

Diese Erinnerungen, aus denen Erfahrungen geworden sind.

Doch unser Bewusstsein erlaubt keine leeren Stellen und keine Löcher, im makellosen
Ablauf unserer ganz persönlichen Geschichte. An dem Schorf, den die Wunde
einer einschneidenden Erfahrung hinterlassen hat, ist etwas anderes gewachsen
und es überdeckt die alte Wunde. Es war keine Angst oder Panik, die uns damals überkam und wir haben es geschehen lassen. Nein, in Wirklichkeit waren wir die Helden und die eigentlichen Herren der Situation. Bei jeder Demütigung, bei jedem
Schlag und bei jeder Verletzung. Jedes mal.

Und diese Erfindungen des Geistes, haben den Platz der eigentlichen
Erinnerungen im Wohnzimmer unseres Charakters übernommen. Oben, am Fenster, da wo das helle Licht der Alltäglichkeit scheint. Und sie tun so, als wären es die
Richtigen Geschichten und keine erdachten Lückenbüßer, die und helfen geistig
gesund zu bleiben. Einigermaßen zumindest.

Und auch die anderen, ganz “normalen” Erinnerungen verändern sich.
Sie passen sich dem erdachten an, damit unsere Vergangenheit eine in sich
stimmige Gleichung wird. Und bei der Auflösung dieser Gleichung, erscheint
strahlend die Summe unserer Erfahrungen und beweist wie heldenhaft wir doch
eigentlich sind.

Wenn uns das nicht gelingt, dann schlüpfen wir in die Opferrolle und betreten
die dunkle Welt der Depressionen. Wir machen uns dauern Vorwürfe, weil wir in
dieser oder jener Situation nicht anders gehandelt haben, bis es uns gelingt,
das fauchende Untier in den Keller der Vergessenheit zu werfen und an seiner
Stelle eine andere, schönere Geschichte zu erfinden.

Vergessen kann ein Segen sein, doch es gibt kein Vergessen; nur ein Verdrängen.  Doch wenn wir schlafen und die Grenze zum Keller unseres Unterbewusstseins dünner wird, dann hören wir, wie sie fauchen und jaulen und schreien. Diese Erfahrungen, die uns geprägt haben.

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