Der Gehörnte Mann

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Die Geschichte unserer Zivilisation ist vielschichtig und vielfältig. Es gibt nicht diesen einen guten Weg und es gibt nicht das „Gute“ an sich. Im Laufe der menschlichen Geschichte hat es immer nur eine einzige Triebfeder gegeben, die uns vorangetrieben hat, durch das Labyrinth der Geschichte: das Überleben; Das Überleben von Individuen, der Familie, des Klans, der Rasse.

Und es war immer ein Kampf. Ein Kampf gegen andere Menschen und ein Kampf gegen die Umwelt. Die Menschen haben es eigentlich nie gelernt mit der Umwelt zu leben. Immer war die Umgebung feindlich und musste bekämpft und besiegt werden.

Die Entwicklung der Geschichte braucht Zeit und das richtige ist nicht immer ersichtlich. Viele Generationen müssen untergehen und immer wieder die gleichen Fehler machen, bis endlich die Blume der Erkenntnis auf das Feld der Erfahrung wachsen kann.

So war es auch in den britischen Inseln der Frühzeit. Viele Stämme und Sippen konkurrierten um die spärlichen Ressourcen. Es gab gute Jahre und es gab schlechte Jahre. Leider überwog die Anzahl der schlechten Jahre bei meisten. Das lag weniger an die feindselige Natur, sondern vielmehr an die mangelnde Anpassungsfähigkeit der Menschen dieser Zeit.

Es wird immer sehr viel Energie aufgewendet, den Schuldigen zu suchen, wenn etwas passiert ist. Dabei ist das eigentlich überflüssig. Die Schadenbegrenzung sollte nach einem Katastrophenfall die höchste Priorität haben. Eigentlich.

Und genau diese Erkenntnis reifte in den Gehirnen der Briten der frühen Zeit: Die Suche nach dem schuldigen ist zeit- und kraftraubend. Es wäre schön, diesen Vorgang zu optimieren, damit man zum tatsächlich wichtigen Schritt der Schadensminimierung kommen kann.

Ein weiteres Problem auf dem Weg, das Überleben der Sippe abzusichern, war die mangelhafte Ernährung. Früh war den Frauen der Sippe ersichtlich, dass hungrige und kranke Männer, weder gute Liebhaber waren noch gesunde Kinder zeugen konnten.

Und so erfanden die Frauen das Konzept des „Gehörnten Mannes“.  

Das Konzept ist einfach erklärt: Es gibt im Dorf einen Mann, der fast alles darf. Er darf sich jederzeit sowohl an den Nahrungsbeständen als auch an den Frauen des Dorfes bedienen. Jederzeit und unbestraft. Dieser gut genährte und starke Mann war von jeder andere Arbeit befreit, damit er gesund und ausgeruht die Frauen des Dorfes schwängern konnte. In seinem Samen trug er das genetische Pfand der Sippe und das galt mit allen Mitteln zu schützen und weiterzugeben.

Es ist nicht bekannt, ob der Gehörnte Mann, auch der Führer der Sippe war. Wahrscheinlich ist es nicht, denn die Verantwortung und die Sorgen der Führung, würde sich auf seine Zeugungsbereitschaft niederschlagen.

Die anderen Männer des Dorfes sahen zwar ein, dass dieses Konzept dem Erhalt des Genpools dienlich war, waren ab er trotzdem nicht begeistert. Was verständlich ist. Welcher Mann ist schon begeistert, wenn ein anderer quasi vor seinen Augen, seine Frau beglückt und schwängert? Immerhin hatte er auch selbst einen Genpool in seinem eigenen Samen.

Die Frauen der Sippe hatten also eine Lösung erfunden, wie sie guten Sex haben konnten und gesunde Kinder zur Welt bringen konnten. Allerdings mussten sie einen Kompromiss eingehen.

Und dieser Kompromiss sah so aus: Sollte es wirklich zu einer Katastrophe kommen, sei es Krankheit, oder schlechte Ernten, oder krieg oder ein Erdbeben, dann musste der Gehörnte Mann als schuldiger herhalten. Er wurde gleichzeitig erhängt, vergiftet, erdolcht und im Sumpf ertränkt.  Der aufgestaute Hass der männlichen Seite der Sippe, bahnte sich auf dieser Weise einen Weg und Rache konnte ausgeübt werden.

Danach wurde ein anderer Mann, als Gehörnter Mann und Sündenbock gewählt, der zum Zeichen seiner Aufgabe und seiner Verantwortung Hörner trug.

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