Das Projekt Betonwüste wird in Andernach erbarmungslos fortgeführt.

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Das Projekt Betonwüste wird in Andernach erbarmungslos fortgeführt.

Das Bild oben zeigt den aktuellen Stand eines Abschnittes einer Straße in Andernach. Die Konrad-Adenauer-Straße, mit Blick auf dem Rhein, wird zur Zeit zubetoniert. Alte schöne Häuser werden, mit dem Argument der notwendigen Verdichtung, abgerissen und durch quadratisch-rechteckige Beton-Ungetüme ersetzt.

Eigentumswohnungen kosten hier etwa eine halbe Million. Nein, nicht für jeden Mann oder Frau, aber für Leute mit Geld.

Ich sehe ein, dass die Zeiten sich ändern, und dass nicht alles so bleiben kann wie es ist. Ja, alles muss weitergehen und keiner wird mich hier nach meiner Meinung fragen. Ich habe trotzdem eine Meinung.

Diese Bauten erinnern mich an die Bauwut in Berlin, in den deutschen dreißiger Jahren. Damals, als die Nazis die Provinzstadt Berlin in ein erhabenes Beispiel arischer Baukunst verwandeln wollten. Ein ganz einfacher Geschmack: Schlichter, ehrlicher rechteckiger Beton mit wenig Grün. Quadratisch, praktisch, gut.

Dass dies keinesweg immer schön ist, spielt dabei keine Rolle, da die Menschen, die diese Bauten entwerfen, nicht darin wohnen werden. Dieses zweifelhafte Vergnügen werden andere Menschen haben, die ihre Welt einfach gestalten wollen: eben quadratisch, praktisch und gut ist.

Andernach 1918

Das Bild wurde 2018 gemacht, vor knapp einem Jahr. In der Zwischenzeit (2019) wird der Runde Turm (ganz links) von allen Seiten zubetoniert. Die Zeiten ändern sich.

Man könnte vielleicht fragen was passiert, wenn der letzte Bauplatz vergeben und aufs abscheulichste mit grauem Beton verbaut ist?

Diese Frage ist aber leider sinnlos. Wir können uns gar nicht vorstellen, welche Gedanken und Ideen die Zukunft, in den Gehirnen von Menschen einpflanzt. In der unendlichen Abfolge von Tagen, Jahren und Jahrhunderten der Menschheitsgeschichte war eines ganz bestimmt sicher: Das Neue war deswegen neu, weil es anders war.

Also wird vorerst das Projekt “Betonwüste” weitergeführt, bis andere Menschen kopfschüttelnd fragen werden: “Wie konnte man nur?”.

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